Zur Aktualität des Konzepts der"Betrieblichen Lebenswelt"Das Konzept der "betrieblichen Lebenswelt" wurde im Zusammenhangmit der Analyse subjektiver, situationstypischerBewältigungsformen in einem Industrieunternehmen Anfangder 1980er Jahre entwickelt. Spätestens seit der Jahrhundertwendewerden in der Arbeits- und Industriesoziologie ganzneue Beanspruchungen der Menschen durch sog. atypischeBeschäftigungsformen, veränderte Managementstrategienund Führungskonzepte identifi ziert und mit Hilfe des Konzeptsder "Subjektivierung" zu erfassen versucht. Es wirdaufgezeigt, dass in dem Konzept der "Subjektivierung"allerdings Erkenntnisse über Subjektivität und unbewussteAnteile subjektiver Bewältigungsstrategien, die dem Konzeptder "betrieblichen Lebenswelt" zugrunde liegen undein Handeln gegen eigene Interessen erklären können, nichtaufgehoben sind.Wenn heute in der arbeitsbezogenen Gesundheitsforschungdie Zunahme insbesondere von psychischen Erkrankungenwie Stresssymptomen und Burnout (BKK 2008; BerufsverbandDeutscher Psychologinnen und Psychologen 2008)konstatiert wird, so deuten diese daraufhin, dass es auch imgegenwärtigen Kontext Anforderungen an die "psychischeÖkonomie der Arbeit" (Volmerg 1990) gibt, die auf diebleibende Fruchtbarkeit des Konzepts der "betrieblichen Lebenswelt"sowie seine analytischen und gestaltungsbezogenenMöglichkeiten verweisen, die mit dem Konzept "organisatorischerAchtsamkeit" benannt werden.