»Fatima Daas schreibt über den Preis des sozialen Aufstiegs, über das Spiel der Macht - mit einer Sprache, die weh tut: klar auf den Punkt und ehrlich.«
Deniz Utlu
Kayden ist nie allein: Zu Hause sind ihre Mutter und ihre große Schwester immer an ihrer Seite. In der Schule sind da ihre Freund:innen: Nelly, die Sportlerin, Samy, der Träumer, und Djenna, die sich nie etwas vormachen lässt. Kayden beobachtet, wie alle ihren Platz in einem starren System suchen. Sie schreibt auf, was sie sieht - und was sie nicht sieht.
Eines Tages liest Madame Fontaine, die strenge Französischlehrerin an ihrer neuen Schule, einen ihrer Texte. Eine Tür öffnet sich, das spürt sie: Kayden wird die nächste sein, die die Aufnahmeprüfung für die Eliteuni Sciences Po besteht. Kayden weiß nicht, ob sie das will; was sie will ist Zeit mit ihrer Lehrerin verbringen. Erst viel zu spät erkennt sie das Ungleichgewicht in ihrer Beziehung - dass Mme Fontaine nach anderen Regeln spielt als sie selbst.
Fatima Daas erzählt kraftvoll und eindringlich von engen Wohnungen und noch engeren Freund:innenschaften, von Solidarität und Rassismus - und von den engen Vorstellungen, die Institutionen von Jugendlichen aus der Banlieue haben. Muss Kayden das Spiel mitspielen - oder kann sie es verändern?
»Ich glaube, die Leute, die dich beleidigen, sind neidisch. Sie ertragen es nicht, dich so im Reinen mit dir zu sehen. Wenn man eingesperrt ist, fällt es schwer, jemanden wie dich zu sehen, deine Freiheit zu erleben, deine ganz eigene Art, an den Grenzen vorbeizuschwimmen.«
Kraftvoll und eindringlich erzählt Fatima Daas von Kaydens 35-Quadratmeter-Wohnung im sechsten Stock, die sie mit Mutter und Schwester teilt, von den engen Freund:innenschaften und dem Zusammenhalt an ihrer neuen Schule. Und von den beengten Vorstellungen, die man in Institutionen vom Leben am Rand der Gesellschaft hat. Nur Kaydens Lehrerin Garrance ist da eine Ausnahme. Oder?
»Fatima Daas schreibt über den Preis des sozialen Aufstiegs, über das Spiel der Macht - mit einer Sprache, die wehtut: klar auf den Punkt und ehrlich.«
DENIZ UTLU
»Niemand erzählt mit so viel Leichtigkeit von den schweren Dingen, wie Fatima Daas es tut. In ihrer Sprache fühle ich mich erkannt: im Zögern, in der Sehnsucht, im leisen Trotz.«
FATMA AYDEMIR