Venedig im Karneval, das bedeutet Masken, Verkleidung und das rauschhaft-schöne Spiel zwischen Schein und Sein. Rossana Cattaneo nutzt diese einzigartige Kulisse für einen atmosphärisch dichten Kriminalroman, der von der ersten Seite an in seinen Bann zieht.
Im Herzen des Geschehens steht Ermittler Mancini, ein Mann mit kaltem Blick und zerrissenem Innenleben, der vom Consiglio dei Dieci in einer Karnevalsnacht zu einem scheinbar unlösbaren Fall gerufen wird. Ein Senator liegt tot in einem verriegelten Zimmer, die Tür von innen verriegelt, das Fenster vergittert, kein Ausweg in Sicht. Am Hals des Toten: zwei kleine, präzise Wunden. Das Blut fehlt vollständig. Was auf den ersten Blick unmöglich scheint, ist erst der Auftakt zu sechs Nächten voller Geheimnisse, Lügen und tödlicher Bedrohung.
Cattaneo erschafft ein Venedig, das atmet und riecht und flüstert. Die schweren Samtvorhänge der Palazzi, das Flackern der Karnevalsfackeln auf dem Kanal, der durchdringende Modergeruch des Mauerwerks - all das wird mit sparsamer, präziser Sprache lebendig. Die Masken der Karnevalsgäste werden zum Symbol: Wer steckt dahinter, wer lügt, wer hat etwas zu verbergen?
Besonders stark ist die Figurenzeichnung. Die rätselhafte Contessa Fiora Grimani, die zu ruhig ist, um unschuldig zu sein, der verschwundene Sekretär, die weinende Unbekannte im Saal - jede Figur trägt ihre eigene Geschichte in sich, jede könnte schuldig sein. Der Roman entfaltet sich in sechs kunstvoll komponierten Nächten, die den Leser tiefer und tiefer in ein Labyrinth aus Intrige und altem Blut führen.
Ein unverzichtbares Leseerlebnis für alle Liebhaber historischer Kriminalromane.