Maria S. Cummins' Der Laternenanzünder verbindet sozialrealistische Milieuschilderung mit moralisch geprägter Sentimentalität und gehört in den Kontext der angloamerikanischen Erbauungs- und Armutsprosa des 19. Jahrhunderts. Im Zentrum steht der Weg eines verlassenen Kindes durch Unsicherheit, Fürsorge, Bildung und sittliche Bewährung; aus episodischen Prüfungen erwächst ein Roman, der häusliche Tugend, weibliche Bildung und die Möglichkeit sozialer Hebung reflektiert. Cummins erzählt in klarer, zugänglicher Prosa, doch hinter der emotionalen Unmittelbarkeit arbeitet ein präzises Interesse an Klasse, Abhängigkeit und der ethischen Bedeutung von Mitmenschlichkeit. Die amerikanische Schriftstellerin Maria Susanna Cummins (1827-1866) schrieb in einer Epoche, in der populäre Frauenliteratur oft zugleich Unterhaltung und moralische Belehrung sein sollte. Ihre Herkunft aus dem Neuengland-Milieu, die Nähe zu protestantisch geprägten Wertvorstellungen und ihr Gespür für weibliche Lebenswelten erklären die Überzeugungskraft, mit der sie häusliche Bindungen, Frömmigkeit und Charakterbildung gestaltet. Gerade diese Verbindung aus gesellschaftlicher Beobachtung und didaktischem Impuls dürfte Der Laternenanzünder seine enorme zeitgenössische Resonanz verliehen haben. Empfehlenswert ist das Buch für Leserinnen und Leser, die klassische Entwicklungsromane, sentimentale Literatur und kulturhistorisch aufschlussreiche Texte schätzen. Wer verstehen möchte, wie populäre Erzählliteratur moralische Ideale mit sozialer Kritik verbindet, findet hier ein exemplarisches Werk. Der Laternenanzünder ist daher nicht nur ein bewegender Roman, sondern auch ein aufschlussreiches Dokument literarischer Werte des 19. Jahrhunderts.